5. Mainzer Immobilentag

Prof.Dr.Ulrich Bogenstätter (r.) mit den BDB-Landesvorsitzenden Franz Josef Zimmermann und Gerhard Volk sowie Vorstandsmitglied Bärbel Kupfer (H) v.l.n.r.)

Risiken im Bau- und Immobilienmanagement:

Gefahrenquelle Grossprojekt, Wasser, Luft, Lärm, Gesetze

Unter diesem Motto hatte der Leiter der Lehreinheit Bauingenieurwesen im Fachbereich Technik und Leiter der Studiengänge (Bachelor/Master) Technisches Gebäudemanagement (TGM) der Hochschule Mainz sowie Initiator der Mainzer Immobilientage (MIT), Herr Prof. Dr. Ulrich Bogenstätter, zum 5. MIT am 07.11.2014 eingeladen. In den Studiengängen wird gelehrt, wie Gebäude insbesondere aus Sicht der Immobilienbesitzer sinnvoll entwickelt, gebaut, betrieben und revitalisiert werden können. Mit anerkannten Referenten thematisierte der Kongress in diesem Jahr die Inhalte der Studiengänge TGM zu größtenteils durch gesundheitliche Aspekte der gebauten Umwelt bedingte Risiken im Bau- und Immobilienmanagement an die Entscheidungsträger der Immobilienwirtschaft (Gewerbe, Immobilienfonds Industrie, Kirchen, Öffentliche Hand, Wohnungswirtschaft). Namhafte Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Unternehmen der Immobilienwirtschaft waren an die Hochschule gekommen, um die Risiken vor interessiertem Fachpublikum zu betrachten.

Die Veranstaltung wurde ideell von den BDB-Bezirksgruppen Mainz und Südhessen-Nassau gefördert. Zudem war der BDB am Veranstaltungstag mit eigenem Informationsstand vertreten, der von den Vorsitzenden der BDB-Landesverbände Hessen und Rheinland-Pfalz, den Herren Ing. (grad.) Bauingenieur Gerhard Volk und M.Eng. Dipl.-Ing. (FH) Architekt Franz Josef Zimmermann persönlich betreut wurde.

Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch Herrn Prof. Dr. Ulrich Bogenstätter und der Vizepräsidentin der Hochschule Mainz, Frau Prof. Dr. Andrea Beyer, ging Herr Prof. Dr. jur. Martin Dossmann, Hauptgeschäftsführer des Landesverbandes der Bauindustrie Rheinland-Pfalz, im ersten Vortrag auf die Frage ein, „warum Großprojekte in Deutschland aus dem Ruder laufen“. Den Informationen von Spiegel online vom 03.08.14 zufolge, kosten die 40 größten Bauprojekte der Bundesregierung rund 1 Milliarde Euro mehr als geplant. Nur 14 von 40 Projekten bewegen sich im Kostenrahmen. Am Beispiel des „Hamburger Prestigeprojektes Elbphilharmonie“, dem „Flughafen Berlin“ und „Deutschlands teuerstem Loch - Stuttgart 21“ zeigte er die zehn wichtigsten Ursachen für Fehlentwicklungen auf. Wie diesen, auch durch positive Auslandserfahrungen belegt, künftig erfolgreich begegnet werden kann, beantwortete er mit zehn Thesen. Dazu zählen eine frühe Beteiligung der Bürger, die Stärkung der Bauherrenkompetenz, die vollständige Bedarfsermittlung, der Abschied von einer baubegleitenden Planung, die Budgetierung möglicher Risiken, die Generalvergabe bei komplexen Bauten, die Definition und Beachtung qualitativer Vergabekriterien neben dem Preis, das Vermeiden nachträglicher Eingriffe des Auftraggebers, der bessere partnerschaftliche Umgang aller am Bau Beteiligten und insbesondere das ganzheitliche Planen, Bauen und Betreiben mit BIM (Building Information Modeling).

Im Anschluss an den Vortrag überbrachte der Staatssekretär, Herr Dr. Thomas Griese (MULEWF), das Grußwort der Landesregierung Rheinland-Pfalz zum 5. MIT und nahm zu einigen Thesen von Herrn Prof. Dr. jur. Dossmann Stellung. Insbesondere wies er auf die Beachtung der Kriterien des nachhaltigen Bauens entsprechend der vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) zur Verfügung gestellten Checkliste (Anlage 1 zum „Leitfaden Nachhaltiges Bauen“) hin. Als wichtiges Planungs- und Steuerungsinstrument hilft sie Architekten und Planern bei öffentlichen Bauaufgaben bereits bei der Planung eines Gebäudes, alle Kriterien zur Nachhaltigkeit zu berücksichtigen, Aufgabenstellungen exakt in Teilschritten zu beschreiben und deren Erfüllung zu überprüfen. Zudem werden die Verwendung Umwelt- und gesundheitsverträglicher Baustoffe, der rationelle Energieeinsatz sowie der zu erwartende Aufwand im Rahmen der Nutzung dargestellt. Zusammenfassend konstatierte der Staatssekretär, dass „Vorsorgen dreimal billiger ist als Nachsorgen“.

Was man aus den Erfahrungen im Umgang mit Großprojekten lernen kann und welche Impulse daraus resultierend für die Zukunft gegeben werden können, stand im Fokus der anschließenden Podiumsdiskussion. Vertreter der öffentlichen Hand, der Berufsverbände und die Referenten diskutierten die „Schuldfrage“ kontrovers. U. a. wurde angemerkt, dass es für viele Entscheider oftmals nicht wichtig ist, was bei einem Großprojekt am Ende heraus kommt. Vielmehr zählt die Tatsache, dass überhaupt etwas gebaut wird. Lobbyinteressen stehen häufig im Vordergrund. Eine Änderung des Vergaberechtes in Deutschland wurde gefordert.

Zu Beginn des zweiten Vortragsblockes referierte Herr Werner Lemke, Baudirektor der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, über den „Angriff von Wasser auf die Kulturgüter der Kirche und Gesundheit - Schutzmaßnahmen bei der evangelischen Kirche“. Nach Beschreibung der Gefahren-/Wasserquellen, der bildhaften Darstellung und Erläuterung wiederkehrender Schäden an und in historischen Gebäuden (Bereiche Dach, Wand, Ausstattung) ging er insbesondere auf die möglichen Gesundheitsgefahren durch Schimmelpilze ein (bspw. Schimmelbelastung am Orgelwerk / -gehäuse). Geeignete organisatorische und Vor-Ort-Strategien zur Schadensvermeidung wurden aufgezeigt. Zur ersten Kategorie gehören regelmäßige Baubegehungen durch die Kirchengemeinde und durch Fachleute der Ämter für Bau- und Kunstpflege, Anleitungen für Baubeauftragte der Kirchengemeinden (Infomappe), Rundverfügungen der Landeskirche (Heizen und Lüften in Kirchen und Kapellen), Wartungsverträge für die Betreuung der Ausstattung und eine auskömmliche Finanzierung der Bauunterhaltung, zur zweiten die Kontrolle und Wartung der Dachflächen inkl. der Anschlüsse, die Gewährleistung einer guten Wasserableitung über Dachrinnen, Fallrohre und Standrohre, die Verkleidung von Fachwerkswänden zur Wetterseite hin, die Trockenlegung des Fundamentbereiches, die Stabilisierung des Innenraumklimas durch gezieltes Lüften und Heizen wie auch die Reinigung und die Belüftung sowie Belichtung von Orgelgehäusen.

In seinem Vortrag „Legionellen auf den Punkt gebracht: Zahlen und Fakten, Risiken gemanagt“, machte Herr Volker Eck, Mitglied der Geschäftsleitung der KALORIMETA AG & Co. KG deutlich, dass positive Legionellenbefunde in Liegenschaften keine Einzelfälle sind. 10 % davon überschreiten den technischen Maßnahmewert, 1/3 der Überschreitungen sind >1.000 KBE (Kolonie Bildende Einheiten):

  • >100 < 1.000 KBE (68,8%)

  • >1.000 < 10.000 KBE (23,4%)

  • > 10.000 KBE (7,8%)

Den Grenzwert an zentralen Anlagenteilen (Trinkwasserspeicher) überschreitet jede fünfte Liegenschaft. Interessant ist auch, dass die Grenzwertüberschreitung in über 70% der Fälle nicht an der weitest entfernten Entnahmestelle festgestellt wurde und mehr als 50% der Liegenschaften mehr als eine positive Probenahme aufweisen. Bezogen auf die Extremfälle >10.000 KBE/100 ml legte Herr Eck dar, in welcher Untersuchungsphase die Überschreitungen festgestellt wurden und in welcher Ausprägung sie auftraten. Des Weiteren zeigte er die prozentuale Verteilung der Mängel bei Überschreitung des technischen Maßnahmewertes im Rahmen einer Gefährdungsanalyse auf. Zu den fünf meist vorgefundenen Mängel zählen fehlende Wartungs- / Instandhaltungshinweise / Dokumentationen der relevanten Bauteile des Trinkwassersystems (Betriebshandbuch), fehlende Strangregulierventile / fehlender hydraulischer Abgleich, selten benutzte Entnahmestellen, fehlende Wärmedämmung und zu niedrige Betriebstemperatur. Zusammenfassend stellte der Referent fest, dass viele Trinkwasseranlagen immer noch nicht nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik betrieben werden und auch das Nutzerverhalten (Wenigverbraucher) eine von vielen Mängelursachen darstellt. Zudem hat die Praxis gezeigt, dass die Möglichkeit, repräsentative Stränge auswählen zu können, ein Irrglaube ist. Nur eine umfängliche, den UBA-Empfehlungen entsprechende Gefährdungsanalyse kann die Schwachpunkte in der Anlage aufzeigen.

Herr Prof. Thomas Giel von der Hochschule Mainz und Transferstelle für rationelle und regenerative Energienutzung Bingen in der ITBgGmbH wies in der anschließenden Podiumsdiskussion mit Vertretern aus der Wissenschaft und Wirtschaftsunternehmen u. a. auf den scheinbar unauflöslichen Widerspruch bzw. das Paradox hin - mehr Gesundheit durch die Trinkwasserverordnung, mehr Energieverbrauch durch thermische Verfahren zu Lasten der Umwelt und des Geldbeutels?.

Über den mit 500 Euro dotierten MIT Award 2014 konnte sich kurz vor der Mittagspause Herr B.Eng. Yannis Hien freuen, der für seine herausragende Abschlussarbeit im TGM mit dem Titel „Bewertung und Vergleich von zwei unterschiedlichen regenerativen Energiekonzepten“ geehrt wurde.

Im dritten Vortragsblock zur Gefahrenquelle Luft referierte Herr Dr. Gerhard Führer, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Schadstoffe in Innenräumen, peridomus Institut Dr. Führer, zum Thema „Schimmel in Gebäuden“. Zunächst legte er dar, was man unter dem Begriff „Schimmel“ versteht, wo und wie dieser krankheitserregende biologische Arbeitsstoff (s. a. BioStoffV) entstehen kann. Vielfältige Feuchtequellen in Gebäuden sind möglich. Bspw. in der Bausubstanz, u. a. bedingt durch Neubaufeuchte, Wärmebrücken, Leckagen in der Luftdichtigkeitsebene, unzureichende Entlüftung innen liegender Bäder oder fehlerhaft geplante, falsch ausgeführte, fehlende oder undichte Dampfsperren. Auch ein nicht konformes Nutzerverhalten durch falsches Lüften und Heizen der Räume und umweltbedingte Ereignisse wie Überschwemmung, Sturmschäden am Dach oder Löschwasser nach Brand können das Auftreten von Feuchtigkeit bzw. Schimmelbildung in Gebäuden verursachen. Des Weiteren zeigte Herr Dr. Führer die Häufigkeit von Schimmelpilzschäden auf und äußerte den begründeten Verdacht, dass mehr als 50% der Neubauten und des Gebäudebestandes einen relevanten Schimmelpilz- / Bakterienschaden aufweisen. Für viele Kongressteilnehmer war die Tatsache neu, dass verdeckt liegende, nicht sichtbare Schimmelschäden durch einen Schimmelspürhund erkannt werden können, der live am Tage des Kongresses vorgeführt wurde. Der Hund dient dabei als Messinstrument (Messsonde, Sensor), der Hundeführer als Signalempfänger und Trainer des Sensors. Der Sachverständige wertet die Ergebnisse aus bzw. bewertet diese. Zuverlässige Resultate werden erzielt, wenn alle drei „Parteien“ als gut eingespieltes Team zusammenwirken. Ein professioneller Umgang mit Schimmel sollte konsequent, systematisch und schrittweise erfolgen. Zunächst sollte Schimmel begutachtet, MVOC in Raumluft gemessen und/oder Feuchteeinträge „begriffen“, diese räumlich eingegrenzt und entsprechende Materialuntersuchungen durchgeführt werden. Erst dann kann die Frage beantwortet werden, ob und in welchem Umfang eine Sanierung erforderlich ist.

Im Anschluss an den Vortrag berichtete Herr Tobias Schwotzer, Schadstoffbeauftragter Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) Rheinland-Pfalz (RLP), „über den Umgang mit möglichen Schadstoffen in Gebäuden der Öffentlichen Hand“. Nachdem er den Aufbau, die Zuständigkeiten des LBB RLP, das dortige Schadstoffmanagement, Gebäude- und Schadstoffkataster erläutert hatte, gab er einen Überblick über die relevanten Schadstoffkompartimente in Gebäuden (Bausubstanz, technischen Einrichtungen, Trinkwasser, Raumluft) und stellte zudem relevante Schadstoffe in der Raumluft von Gebäuden von der Erfassung bis zur Sanierung vor (s. a. „Schadstoffhaus“ unter http://www.igutec.de/schadstoffhaus.php). Er konstatierte, dass sich der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung den steigenden ökologischen Anforderungen an die Landes-Liegenschaften durch einen verstärkten Einsatz von eigenem Fachpersonal und Fachingenieurbüros stellt. Zudem werden die Gebäude in Bezug auf ihre Schadstoffproblematik von Schadstoffexperten im LBB erfasst und bewertet, Schadstoffkataster der betreffenden Gebäude nach und nach erstellt, vertrauensfördernde Maßnahmen wie das Informieren und Einbinden der Nutzer durchgeführt und sukzessive alle relevanten schadstoffbelasteten Bauteile saniert.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden die Folgen der Gebäudeoptimierung auf die Immobilienwerte diskutiert.

Die Gefahrenquelle Lärm stand im Fokus des vierten Vortragsblockes. Zunächst referierte Herr Universitätsprofessor Dr. med. Thomas Münzel von der Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz über das Thema aus medizinischer Sicht. Er legte dar, dass der Mensch grundsätzlich nicht in der Lage ist, sich an Lärm zu gewöhnen. Im Vergleich zu einem normalen Gespräch mit einem Schallpegel von ca. 50-60 dB(A) liegt der Geräuschpegel eines Düsentriebwerkes bei ca. 110-120 dB(A). 3 dB(A) mehr / weniger bedeuten eine Verdoppelung / Halbierung des Lärms / Verkehrsaufkommens und + 10 dB(A) eine Verzehnfachung des Verkehrsaufkommens. Es gilt die Faustregel: Verdoppelung der subjektiv empfundenen Lautheit [Sonne] + 10 Phone ~ 10 dB(A). Eine dauerhafte akustische Belastung durch Fluglärm führt ebenso zu gesundheitlichen Schäden bzw. macht langfristig krank. Auch verlangsamt Lärm die Entwicklung von Kindern. Das Lern- / Lesevermögen nimmt ab. Fluglärm beeinträchtigt die Gefäßfunktion, schädigt die Organe/Gefäße bzw. induziert Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall. Zudem verursacht er Schlafstörungen bzw. führt zu einer drastischen Abnahme der Schlafqualität. Selbst eine medikamentöse Therapie kann nicht vor Gefäßschäden schützen. Herr Prof. Dr. med. Münzel wies mit seinem Dossier darauf hin, dass ein Anstieg des Fluglärms über dem Gelände der Universitätsmedizin (UM) und dem Vinzenzkrankenhaus bei OSTWIND von 2005 mit 40-45 dB(A) bis 2020 mit 54 dB(A) erwartet wird. Die WHO empfiehlt für Krankenhäuser einen Nachtschallpegel von 55 dB(A), der nicht überschritten werden sollte. Der Referent stellte in dem Kontext für die UM die Forderungen auf, dass die Fluglärmbelastung umgehend reduziert, die Flughöhen unverzüglich angehoben, ein Ausfahren der Räder verboten, ein Überfliegen der UM durch laute Flugzeuge verboten und „Flugbewegungen gedeckelt werden müssen. Ein „runder Tisch“ sollte umgehend einberufen werden mit dem Ziel des Überflugverbotes der UM. Zur Entlastung des Flugaufkommens, insbesondere in den Randstunden, wurde die Mitnutzung des Flughafens Hahn vorgeschlagen. Stellt sich die Frage, ob wirtschaftliches Wachstum hier um jeden Preis zu Lasten der Gesundheit erzielt werden sollte.

Herr Dr. Hanno Haiber, Leiter Geschäftsmodelle und Vertragsmanagement im Geschäftsbereich Real Estate der Flughafen GmbH und Lehrbeauftragter der Hochschule München berichtete im anschließenden Vortrag eindrucksvoll über „die Projektentwicklung (PE) am Flughafen München unter besonderer Berücksichtigung des Faktors Lärm“. Am Flughafen München wurden in 2013 ca. 39 Mio. Passagiere abgefertigt, im Vergleich zum Flughafen Frankfurt am Main mit ca. 57 Mio. Passagieren. Bezogen auf das europäische Passagieraufkommen liegt Istanbul aktuell vor München und vor Madrid. Zu den generellen Einflussfaktoren bei der PE eines Flughafens gehören das Grundeigentum, die Nutzer, die Marktsituation, das Umfeld, das Plan- und Baurecht und die Finanzierung, zu den Sonderfaktoren am Flughafenstandort die Umlandgemeinden, die Öffentlichkeit / Politik, der Flugbetrieb, die Flugsicherung, die Mitarbeiter, die Gesellschafter, die Umweltbelange sowie Safety & Security. Der Referent machte deutlich, dass der Faktor Lärm als Einflussgröße bei der Projektentwicklung eines Flughafens nicht außer Acht gelassen werden darf. Eine sorgfältige Grundlagenermittlung zwecks Planung sinnvoller Lärmvermeidungsmaßnahmen ist unabdingbar. Fluglärm kann u. a. durch eine Flottenmodernisierung, innovative Flugverfahren, eine effiziente Verkehrssteuerung, eine Lärmminimierung am Flughafen, das Schaffen von Anreizsystemen, Betriebsbeschränkungen und das Auflegen von Forschungsprojekten vermieden werden. Dauerhafter Schutz vor Fluglärm ist langfristig nur durch eine verantwortungsvolle Siedlungspolitik, passiven Schallschutz und den Ankauf von geeigneten Immobilien möglich.

Im Fokus der anschließenden Podiumsdiskussion stand „der Einfluss von Lärm auf die Arbeitsplatzgestaltung und die Umwelt“.

Zu Beginn des letzten Vortragsblockes zum Thema „Gesetze, Normen & Lobbyisten“ betrachtete Herr Prof. Dr.-Ing. Rainer Hirschberg (VDI) die Frage, „was (inter-)national (noch) auf uns zukommt“ bzw. „der Widerspruch zwischen internationaler und nationaler Normengebung“. Ein „Gesetz“ eine Norm ist, die das menschliche Zusammenleben bindend regelt. Zwischen dem Privatrecht und dem öffentlichen Recht wird unterschieden. Im Vergleich dazu stellt eine „Norm“ eine Regel im technischen Sinn dar. Nationale Normen werden durch europäische Vorgaben bestimmt, sind nicht rechtsverbindlich und haben den Charakter von Empfehlungen, deren Berücksichtigung und Anwendung jedermann freisteht. Unter gewissen Voraussetzungen können sie aber auch verbindlich werden. „Allgemein anerkannte Regeln der Technik“ (a. a. R. d. T.) sind Regeln, die in der Wissenschaft als theoretisch richtig erkannt sind und festliegen. Zudem müssen sie in den Kreisen der betreffenden Techniker durchweg bekannt und als richtig anerkannt sein und sich in der Praxis bewährt haben. „VDI-Richtlinien“ sind Regeln des Vereins Deutscher Ingenieure und haben ebenfalls den Charakter von Empfehlungen, deren Anwendung jedermann freisteht. Die Einhaltung des Stands der Technik darf aber auch auf eine andere Weise sichergestellt werden. Erstellt werden VDI-Richtlinien ehrenamtlich von Experten aus der Wissenschaft und der Industrie in Zusammenarbeit mit hauptamtlich tätigen VDI-Mitarbeitern der jeweiligen Fachgesellschaft in Richtlinienausschüssen. Entsprechend dem technischen Fortschritt werden sie kontinuierlich aktualisiert und beschreiben somit den Stand von Technik, Forschung und Wissenschaft. VDI-Richtlinien sind richtungsweisende, praktische Arbeitsunterlagen, die mit ihren Beurteilungs- und Bewertungskriterien fundierte Entscheidungshilfen beinhalten und als Maßstab für ein einwandfreies technisches Vorgehen dienen. Als weitere Zielsetzungen der VDI-Richtlinien nannte Herr Prof. Dr.-Ing. Hirschberg u. a. die praxisnahe Erläuterung und Ergänzung nationaler, europäischer und internationaler technischer Regeln, die Publikation als allgemein anerkannte Regeln der Technik und die Unterstützung entwicklungsbegleitender Regelsetzung. Er wies darauf hin, dass „die Arbeit an den VDI-Richtlinien auch der Findung eines konsolidierten nationalen Standpunkts“ dient. Ziel dabei ist es, diese Position „in die europäische und internationale technische Regelsetzung einzubringen.“ Was aktuell (inter-) national (noch) auf das Bauen zukommt, welche Widersprüche bestehen und nicht handhabbar ist, erläuterte der Referent im Anschluss an die Begriffserklärungen bzw. theoretischen Ausführungen. Um die Bedeutung der Energieeffizienz im Immobilienmarkt voranzutreiben und den Energieausweis für Verbraucher leichter verständlich zu machen, hat der Gesetzgeber mit der EnEV 2014 Änderungen beim Energieausweis zum 01.05.2014 beschlossen. Diese haben für Immobilieneigentümer insbesondere bei Verkauf und Vermietung ihres Eigentums erhebliche rechtliche Konsequenzen. Danach müssen Immobilien gemäß Anlage 10 der EnEV ab Mai 2014 den geänderten Energieeffizienzklassen A + (sehr effizient) bis H (hoher Energiebedarf) zugeordnet werden, die sich unmittelbar aus dem Endenergieverbrauch oder dem Endenergiebedarf ergeben. Ihre Darstellung orientiert sich an der Effizienz-Skala, wie sie bereits für Haushaltsgeräte etabliert ist. In Energieausweisen, die ab dem 01.05.2014 ausgestellt werden, ist die Angabe der Energieeffizienzklasse Pflicht. Auch müssen Angaben zu energetischen Kennwerten in kommerziellen Immobilienanzeigen enthalten sein. Diese betreffen auch Energieausweise, die vor dem 01.05.2014 ausgestellt wurden, wobei die Energieeffizienzklasse nicht angegeben werden muss. Eine Bewertungsskala für das europäische Energie Label stellen die Energieeffizienzklassen (ab 2010 A+++ bis G) dar. Diese dienen zur Förderung des Absatzes von besonders energiesparenden Elektrogeräten in der EU. Die Bewertungsskala gibt Auskunft über den Energiebedarf (Strom und andere Energieträger) und über zusätzliche Gebrauchseigenschaften des Gerätes. Nach der Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung (EnVKV) sind Kennzeichnungen u. a. für Raumklima-, Luft- Wasser- und Wasser-Wasser-Wärmepumpengeräte vorgeschrieben. Leider werden die Kennzeichnungen der verschiedenen Gerätetypen ständig geändert. Sicherlich wird über den Sinn oder Unsinn dieser Einstufungen und über den Energieausweis an sich noch einige Zeit diskutiert werden. Des Weiteren wurden die vier Kernpunkte der „Energy Performance of Buildings Directive“ bzw. die „Directive 2005/32/EC on the eco-design of Energy-relates Products (ErP) erläutert (s. a. www.nhrs.din.de/sixcms_upload/media/2563/NHRS_2013_web.pdf). Mit einem Schlusswort von Albert Einstein, der die Arbeit des VDI im Kontext des Themas reflektiert, endete der Vortrag.

Danach ergänzte Herr Bau.-Ass. Dipl.-Ing. Karl-Heinz Flick, Mitglied des Bundesvorstandes und Fachbeiratsvorsitzender DWA, Mitglied NWA Normenausschuss Wasserwesen, Geschäftsführer FVST, Fachverband Steinzeugindustrie e. V. das Thema aus Sicht des Wasserwesens. Er nannte Daten und Kosten zum Thema Kanalisation, erläuterte die Betreiber- und Nutzer- / Kundensicht sowie die Grundstücksentwässerung und stellte das europäische und das nationale Wasserrecht – Wasserhaushaltsgesetz (WHG) bzw. die Normen und Regelwerke im Wasserwesen einschl. Maßnahmen zur Qualitätssicherung vor. Zu beachten ist u. a., dass Abwasseranlagen nach § 60 WHG nur nach den a. a. R. d. T. errichtet, betrieben und unterhalten werden dürfen. Auch private Anlagenbetreiber sind nach § 61 WHG verpflichtet, deren Zustand, Funktionsfähigkeit, Unterhaltung und Betrieb eigenverantwortlich zu überwachen. Eine Differenzierung nach öffentlichen oder privaten Abwasseranlagen erfolgt nicht. Somit kennt Wasser in rechtlicher Hinsicht keine Grenzen. Der Referent wies des Weiteren auf die Positionen der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) zur Grundstücksentwässerung hin und erläuterte die Ziele der Gütegemeinschaft Grundstücksentwässerung e. V. (weitere Informationen siehe www.dwa.de und www.gs-ge.de). Herr Flick konstatierte am Ende seines Vortrages, dass Wasser eine starke Lobby benötigt.

In der Abschlussrunde tauschten die Beteiligten ihre Positionen zum Thema nochmals aus, auch unter Berücksichtigung weiterer Aspekte.

Moderiert wurden die Vortragsblöcke mit jeweils anschließender Podiumsdiskussion durch kompetente Frauen der Immobilienwirtschaft e. V., vertreten durch die Ansprechpartnerin und Rechtsanwältin Birgit Schaarschmidt, M.Sc. Dipl.-Ing. Nicole Lackmann, Dipl.-Ing. Architektin Petra Dietrich, Kerstin von der Heydt und Brigitte Adam.

Im Anschluss an die Fortbildungsveranstaltung hatten einige Teilnehmer nach gesonderter Anmeldung Gelegenheit, die nahe gelegene und 2013/14 sanierte Kirche St. Ignaz unter fachkundiger Führung von Frau Konservatorin M. A. Diana Ecker und Herrn Dipl.-Ing. Architekt Rainer Cebulla, Mitarbeiter des Bistums Limburg, zu besichtigen.

Für das leibliche Wohl der Tagungsteilnehmer war bestens gesorgt. Der Kongress klang aus bei Livemusik und guten Gesprächen an der Cocktailbar.

Im Nachgang zur Veranstaltung wurden die Vorträge zum Download, die i. W. auch als Informationsquelle für diesen Bericht dienen, auf der Homepage der Hochschule Mainz eingestellt. Sie stehen dort interessierten Kongressteilnehmern zur Nachbereitung zur Verfügung.

Auch im neuen Jahr soll es wieder einen Mainzer Immobilientag „im Land der grünen Gummibärchen“ geben. Die Planungen zum 6. MIT am 06.11.2015 laufen in Kürze an.



Bärbel L. Kupfer

M.Sc. Dipl.-Ing. Architektin

Vorstandsmitglied im BDB-Landesverband Hessen, Bereich Hochschulen

Beisitzerin in der BDB-Bezirksgruppe Südhessen-Nassau









Terminübersicht 2016

Nähere Informationen zu den jeweiligen Terminen finden Sie unter dem Link "Veranstaltungen"

      • 16.09. 2016
      • Baustellenbesichtigung Autobahnbrücke A3 bei Limburg
      • Rückbau alte Autobahnbrücke, 14:30-16:30 Uhr 
      • 07.10.2016
      • Planernachträge RA Laux
      • Darmstadt
      • 14.-16. Oktober 2016
      • Herbstfahrt nach Prag
      • 04.11.2016
      • Besondere Bereiche der HBO Teil III: Brandschutz in Heppenheim, 14:00-18:00 Uhr
      • 18.11.2016
      • Jahresabschluss des Bezirksgruppenvorstand

       

       

       

       
          Aktuelles