6. Mainzer Immobilientag 2015

Hubert Borchert, Vizepräsident BDB, Uwe Müller, Vorstand BG Südhessen-Nassau, Bärbel Kupfer, Vorstand BDB Hessen, Prof. Dr.-Ing. Ulrich Bogenstätter, Hochschule Mainz, Gerhard Volk, Landesvorsitzender BDB Hessen (v.l.)
Begrüßung der Teilnehmer durch Prof. Dr.-Ing. Ulrich Bogenstätter (Foto HS Mainz)
Prof. Dr.-Ing. Gerhard Muth, Präsident der Hochschule Mainz
Erste Podiumsdiskussion mit Andreas Broßmann, Canzler GmbH, Hubert Borchert, BDB, Dr. Ilka May, Arup und planen-bauen 4.0, Jürgen Lauber, 2ease AG, Moderatorin Dorothee Führer, Ernst & Young Real Estate GmbH (v.l.)
BDB'ler am Infostand (v.l.) Uwe Müller, Gerhard Volk, Bärbel Kupfer, Hubert Borchert
BDB-Funktionsträger im Gespräch mit Prof. Giel (2.v.r.) Hochschule Mainz, Transferstelle für rationelle und regenerative Energienutzung Bingen in der ITBgGmbH
Martin Habib, Leiter Wodis Sigma Entwicklung & Support, Aareon, vor interessiertem Fachpublikum (Foto HS Mainz)
Finale Diskussion (Beim Anklicken der Bilder vergrößern sich diese)

6. Mainzer Immobilientag

Podiumsdiskussion mit BDB-Vizepräsident Hubert Borchert

Building Information Modeling (BIM) - Der Problemlöser und nützlich für Immobilien !?

So lautete das spannende Thema, zu dem der Leiter der Studiengänge Bau- und Immobilienmanagement / Facilities Management (Bachelor und Master) und Technisches Immobilienmanagement (Master) der Hochschule Mainz sowie Initiator des Mainzer Immobilientages (MIT), Herr Prof. Dr. Ulrich Bogenstätter, am 06.11.2015 eingeladen hatte.

„Wiederholungstäter“ werden sich erinnern, dass die Gründe für die erheblichen Kosten- und Terminüberschreitungen bei Großprojekten wie der „Hamburger Elbphilharmonie“, dem „Flughafen Berlin“ und „Deutschlands teuerstem Loch - Stuttgart 21“ beim letzten MIT aufgezeigt wurden. Immer mehr Bürger-/innen zweifeln an der Fähigkeit von Politik, Verwaltung und Wirtschaft, Großprojekte überhaupt erfolgreich realisieren zu können. Zu Recht wurde die Frage aufgeworfen, ob oder inwieweit es strukturelle Defizite bei der Planung und der Realisierung von Projekten dieser Art in Deutschland gibt. Aus diesem Anlass rief das damalige Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) 2013 ein Expertengremium aus Wirtschaft, Wissenschaft, öffentlicher Hand und Verbänden, die sog. „Reformkommission Bau von Großprojekten“ ins Leben. Ihre Aufgabe bestand darin, konkrete Handlungsempfehlungen für Politik, Wissenschaft und Verwaltung zu entwickeln, wie die Kosten- und Terminsicherheit bei Großprojekten künftig verbessert und das schwindende Vertrauen in die öffentliche Hand als Bauherr gestärkt werden kann. Am 29.06.15 legte die Kommission ihren Abschlussbericht vor. Zu den zehn Kernhandlungsempfehlungen gehört neben der grundsätzlichen Forderung „Erst planen, dann bauen“ auch die verstärkte Nutzung digitaler Methoden - Building Information Modeling (kurz BIM). Über BIM wird viel geredet, das Thema ist omnipräsent. BIM wird vielerorts als große Zukunftshoffnung und Allzweckwaffe gegen Pfusch am Bau und für mehr Kosten-/Terminsicherheit und Nachhaltigkeit in der Projektabwicklung gepriesen. Zum Teil sind sehr enthusiastische, positive Stimmen zu hören, teilweise wird BIM aber auch mit großer Skepsis, Ängsten und Unsicherheit begegnet. Noch scheiden sich die Geister.

Namhafte Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Berufsverbänden und Unternehmen der Immobilienwirtschaft waren aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich an die Hochschule gekommen, um BIM auf den Grund zu gehen. Wie der Einladung zur Veranstaltung zu entnehmen war, hatte sich die Hochschule dabei zum Ziel gesetzt, sinnvolle Einsatzgebiete aus Sicht potenzieller Auftraggeber in Gewerbe, Industrie, öffentliche Hand, Immobilienfonds, Kirchen und Wohnungswirtschaft in Vorträgen und Diskussionsrunden entlang der komplexen Wertschöpfungskette Bau herauszuarbeiten.

Analog dem Vorjahr wurde der Mainzer Immobilientag vom Bund Deutscher Baumeister (BDB), Architekten und Ingenieure e. V., ideell gefördert und war am Veranstaltungstag auch wieder mit eigenem Informationsstand durch den Landesverband Hessen und die Bezirksgruppe Südhessen-Nassau vertreten, in Persona durch den Landes- und Bezirksgruppenvorsitzenden Ing. (grad.) Bauingenieur Gerhard Volk und den stellvertretenden BG-Vorsitzenden Dipl.-Ing. Architekt Uwe Müller. Zudem nahm auf besondere Einladung der Hochschule Mainz auch der Vizepräsident des BDB, Herr Dipl.-Ing. Architekt Hubert Borchert, an der ersten Podiumsdiskussion des Kongresses teil.

Nach der Begrüßung der Teilnehmer und herzlichem Dank an die Beiratsmitglieder des MIT erläuterte Herr Prof. Dr. Ulrich Bogenstätter die „geistige Menüfolge“ des Tages.

Danach richtete auch der Präsident der Hochschule Mainz, Herr Prof. Dr.-Ing. Gerhard Muth einige Grußworte an die Kongressteilnehmer.

Einen interessanten Einstieg in das Veranstaltungsthema lieferte der erste Vortrag von Frau Dr. Ilka May, Dipl.-Geogr., mit dem Titel „Hoffnungsträger BIM“ Die Referentin ist Associate Director bei Arup und gemeinsam mit Herrn Dipl.-Ing. Helmut Bramann seit Februar 2015 auch Geschäftsführerin der planen-bauen 4.0 - Gesellschaft zur Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens mbH. Die Non-Profit-Organisation wurde als besondere, vom Staat und der Wirtschaft unterstützte Initiative von vierzehn führenden Verbänden und Kammerorganisationen der Wertschöpfungskette Bau gegründet. Ihre Aufgabe besteht darin, BIM gemeinsam mit dem Bund in Deutschland voranzutreiben, um digitale, den gesamten Lebenszyklus von Bauwerken sowie Immobilienprojekten abbildenden Geschäftsprozesse in der Bauwirtschaft einzuführen. Die Zahl 4.0 im Namen der Gesellschaft steht für die Anlehnung an die vierte industrielle Revolution und indiziert die Digitalisierung unserer Welt. Frau Dr. May legte den „Status Quo und die Erfahrungen aus internationalen BIM-Projekten“ dar und zeigte dabei die Merkmale und Potentiale eines BIM-Projektes entlang der komplexen Wertschöpfungskette auf. BIM ist nicht komplett neu. Bislang hat aber niemand in Deutschland definiert, was unter dem eher irreführenden Begriff Building Information Modeling (deutsch: Gebäudedatenmodellierung) zu verstehen ist, der besser hätte „Building Information Management“ lauten sollen. Unter dem Begriff wird ein softwaregestütztes Arbeitsverfahren bzw. eine Managementmethode zur lebenszyklusorientierten, Gewerke übergreifenden, optimierten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden verstanden. Grundgedanke von BIM ist, eine transparente „Drehscheibe“ zu realisieren, bei der alle relevanten Bauwerksinformationen in einem zentralen Datenmodell erfasst, intelligent miteinander verknüpft, koordiniert und ständig synchronisiert werden. Das Gebäude ist geometrisch in einem virtuellen dreidimensionalen Gebäudemodell visualisiert. Die Fachplaner arbeiten innerhalb ihrer Fachdisziplin mit ihrem 3D-Fachmodell mit zwei zusätzlichen Dimensionen. Eine Plattform für nahtlose Kommunikation und Kooperation entsteht, die allen Projektbeteiligten einen unmittelbaren und permanenten Zugriff auf kontinuierlich aufbereitete, redundanzfreie Projektdaten während des gesamten Lebenszyklus' eines Gebäudes ermöglicht, d. h. von der Ideenfindung über die Planungs-, Bau- und Nutzungsphase bis zum Rückbau. Ziel der Digitalisierung der Wertschöpfungskette Bau ist es, ihre Produktivität dadurch deutlich zu verbessern. Im Vergleich zur klassischen 2D-Bauplanung können durch das integrale Planen mit BIM der Arbeits-/Koordinierungsaufwand bei Bauprojekten erheblich reduziert resp. die Produktivität des Planungsprozesses hinsichtlich Kosten, Termine und Qualität deutlich gesteigert werden. Der Architekt oder Fachplaner nimmt Änderungen am Modell bzw. in der Projektdatei vor, die allen Projektbeteiligten unmittelbar zur Verfügung steht. Massen und Stückzahlen, die der Kostenkalkulation dienen, werden automatisch abgeglichen. Durch BIM können Kollisionen von Rohrleitungen und Kabeltrassen frühzeitig vermieden werden und nicht erst auf der Baustelle (Informationen siehe auch „BIM-Leitfaden für Deutschland“ von 11/2013, erstellt von OBERMEYER Planen + Beraten München und AEC3 Deutschland GmbH im Auftrag des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung). Frau Dr. May betonte, dass BIM im Vergleich zur traditionellen Projektabwicklung einen grundlegenden Wandel im Bau für alle Beteiligten bedeutet, bei dem der Planungsprozess komplett neu gedacht werden muss. Auch bedingt die neue Planungsmethode die partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten. Die Menschen fühlen sich mit dem Thema BIM noch etwas überfordert, stehen diesem mit Ängsten, Verwirrung und Unsicherheit gegenüber. Auch wurden die Prozesse in Deutschland im Hinblick auf BIM noch nicht angepasst - was vor dem Hintergrund bereits verausgabter Baumittel (ca. 293 Mrd. € in 2014) und der stattlichen Zahl von 2,5 Mio. Erwerbstätigen im Baugewerbe als Erfordernis erscheint. Zur Bewältigung des Kulturwandels fehlen laut Aussage der Referentin eine klare Begriffsdefinition, Auslöser, Vision, Aktionsplan, Kompetenz und Ressourcen. Noch viele Themen sind zu lösen. Zur Umsetzung der Handlungsempfehlung hat die planen-bauen 4.0 im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) ein „Konzept zur schrittweisen Einführung von modernen IT-gestützten Verfahren der Planung, des Bauens und des Betriebes von Bauwerken im Bereich der öffentlichen Hand“, den sog. „Stufenplan für Deutschland“ unter Mitwirkung aller an der Planung und am Bau beteiligten Branchen sowie öffentlichen und privaten Auftraggeber entwickelt. Er richtet sich gleichermaßen an Auftraggeber und Auftragnehmer, berücksichtigt die nationalen Besonderheiten und alle Beteiligten der Wertschöpfungskette. Als Modell beschreibt er transparent den Weg zur Anwendung des digitalen Planens, Bauens und Betreibens in Deutschland. Beabsichtigt ist, BIM zunächst im Zuständigkeitsbereich des Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) für neue Infrastrukturprojekte (Infrastrukturbau und infrastrukturbezogener Hochbau) mit definierten Mindestkriterien und einem ersten Zielniveau stufenweise bei der öffentlichen Hand zu implementieren. Im Rahmen einer erweiterten Pilotphase sollen ab Mitte 2017 eine systematisch ansteigende Zahl von Verkehrsinfrastrukturprojekten und ab Ende 2020 regelmäßig alle Infrastrukturprojekte des Bundes auf Grundlage von 5D-BIM-Modellen (3D + 4. Dimension Zeit + 5. Dimension Verweis auf Leistungen und Kosten) realisiert werden. Wie den aktuellen Pressemitteilungen zu entnehmen ist, wurde der zwischenzeitlich verabschiedete Stufenplan von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt beim „BIM-Gipfel“ im Rahmen des „Zukunftsforum Digitales Planen und Bauen“ am 15.12.2015 in Berlin vorgestellt. Dieser kann auch von anderen öffentlichen und privaten Auftraggebern als Grundlage für die Einführung von BIM genutzt werden. Im Ausland ist BIM bereits seit mehreren Jahren meist verpflichtend im Einsatz, bspw. in Finnland, Norwegen, Dänemark, USA. Deutschland gilt im Vergleich dazu eher als rückständig. Frau Dr. May berichtete, dass auf europäischer Ebene eine „EU BIM Task Group“ etabliert wurde, der fünfzehn Nationen angehören. Deutschland ist durch die planen-bauen 4.0 vertreten. Die Gruppe tauscht ihre nationalen Erfahrungen und Herangehensweisen in Bezug auf BIM aus, um eine Abstimmung der größten öffentlichen Auftraggeber mit dem gemeinsamen Ziel des Wachstums des europäischen Marktes sowie der einheitlichen Einführung von BIM in Europa zu erreichen. Ein erstes Treffen der Delegierten fand statt. Vielfältige BIM-Standardisierungs- und Normungsaktivitäten auf internationaler und nationaler Ebene sind im Gange, aber lange noch nicht abgeschlossen. Das auf europäischer Ebene federführende „European Committee for Standardization (CEN)“ beabsichtigt, einheitliche europäische BIM-Standards für Prozesse und Daten zu veröffentlichen. Als wichtige Standardisierungsaktivitäten sind u. a. die ISO 19650, „Information management using BIM“ und die Erweiterung der ISO 16739 „Information sharing in the construction and FM industries (IFC)“ für den Infrastrukturbau zu nennen. Aufschlussreich war das am Ende des Vortrages vorstellte, von der UK BIM Task Group überlassene Beispiel „Bauen in England“. Danach verfolgt die englische Regierung einen strategischen TOP-Down-Ansatz für die Implementierung von BIM. Ab 2016 sollen in England alle öffentlichen Projekte nach „Level 2 Regeln“ gemäß dem 2008 entwickelten Stufenplan vergeben und abgewickelt werden.

Eine sehr skeptische, nahezu kontroverse Sicht auf BIM vermittelte Herr Dipl.-Ing. Jürgen Lauber, selbständiger Unternehmer, Publizist, 2ease AG Courgeveaux Schweiz und Referent des zweiten Vortrages mit dem Titel „In der deutschen Baukultur wird BIM zum KlimBIM “. Zunächst konstatierte er, dass beim Bauen grundsätzlich eine erfolgreiche Wertschöpfung mit dem Ziel von Effizienz im Vordergrund steht. Digitale Modelle bzw. Software zur Unternehmenswertschöpfung wie SAP oder Oracle werden seit den neunziger Jahren angewandt, sind aber immer noch „problematisch“ (unflexibel). Nach seinen Recherchen ist das Planen und Realisieren in einer Hand in Deutschland bei Luftfahrt- und Automotive-Unternehmen möglich, aber nicht beim „Bauen und Betreiben“. Dies hat vielfältige Gründe. Wie in seinem Buch „BauWesen / BauUnwesen. Warum geht Bauen in Deutschland schief?“ beschrieben, ist das Wesen des Bauens schon sehr alt. Bauprojekte waren schon immer Unikate, sind etwas Besonderes. Unvollständige, „unreife“ Planungen, Fehler und Änderungen während der Bauphase seien nach Auffassung des Referenten völlig normal, gehören zur Baukultur einfach dazu. Das Bauen stellt eine eher temporäre Beziehung dar, ist eigentlich nicht schwer, eher sicher und seit vielen Jahren gut beherrscht. Hingegen lässt sich das Bauen heutzutage aber beliebig kompliziert und risikoreich gestalten. „Aus dem BauWesen ist ein BauUnwesen geworden“, so seine Worte. Massive staatliche Vorgaben (Gesetze, Normen) und ein massiver TGA-Anteil von 30-60% der Bausumme im Nichtwohnungsbau kennzeichnen die Bauprojekte im 21. Jahrhundert. „Packt man auf das Chaos“ bzw. das in der Regel übernormierte Bauprojekt BIM noch oben drauf, dann droht die Pyramide, wie von Herrn Lauber karikiert, zu kippen. Kippt das Projekt, dann ist niemand schuld - da es bei BIM keine Schuldzuweisung gibt. Des Weiteren führte der Referent aus, dass die Bauwirtschaft Komplikation für Wachstum braucht - insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass die Bauproduktivität innerhalb von 10 Jahren rückläufig ist (2003-2013 Auftragseingang Bauhauptgewerbe + 11,3 %), im selben Zeitraum aber um 27% teurer wurde. Auch erfolgt die Vergabe von Bauleistungen im Regelfall immer noch an den niedrigsten, nicht aber an den wirtschaftlichsten Anbieter. Der Publizist betonte, dass mit Gutachter- / Sachverständigentätigkeit mehr Umsatz erzielt wurde als mit HOAI-Tätigkeit. Dass BIM insbesondere bei Großprojekten in Deutschland nicht zu leisten ist, das begründete er auch mit der zwar dringend erforderlichen, aber zunehmend schwindenden Detail-/Fachplanungskompetenz der Technikgewerke, insbesondere die der TGA. Immer mehr renommierte Ingenieurbüros schließen. Wer künftig komplexe Planungs-/Ingenieurleistungen bei Großprojekten erbringen kann, ist fraglich. Auch hängt der Erfolg von BIM vom „Schlüsselfaktor Mensch“ bzw. seiner Bereitschaft zur vertrauensvollen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit ab. Diese ist aus Sicht von Herrn Lauber in Deutschland eher nicht zu erwarten. Das deutsche BauUnwesen, dass als weiteres Merkmal auch ein Nachtrags-/Täuschungsbauwesen aufweist, soll nach Überzeugung des Vortragenden staatlich organisiert und kontrolliert sein. Bauwerke würden bewusst unvollständig oder zu spät ausgeschrieben werden. Lug und Trug regieren am Bau. Dominierendes Ziel sei es, den regierenden Politikern, die für furchtbare Misswirtschaft sorgen, zu ermöglichen das zu bauen, „was sie wollen und wie sie es wollen.“ Das Nachtragsbauen und der Budgetbetrug würden dabei vertuscht werden und legal bleiben. Der Referent betonte, dass Bauen Macht ist und es in dem Zusammenhang nur wichtig sei, „was der Regierung nutzt und den Geldgebern hilft.“ Herr Lauber wies darauf hin, dass die USA und England Deutschland weit voraus sind, was die Erfahrung mit BIM anbelangt. Zahlreiche BIM-Quellen und Präsentationen über BIM-Marketing existieren. Auslandserfahrungen zeigen, dass Baustellen, bspw. in Hongkong mit extremer Disziplin bei Maximierung des Life Cycle Profits abgewickelt werden. BIM wird dort zwar geschätzt, aber es herrscht keine ungeteilte Euphorie. In Singapore würden riesige Baumaßnahmen auch ohne BIM im genehmigten Kostenrahmen und im vereinbarten Zeitfenster realisiert werden. BIM ist nach seinen Recherchen in Deutschland schon längst angekommen, z. B. bei Züblin, wo die Planungsmethode schon lange Standard ist. Auch arbeiten ATP Ingenieure in München damit. Zusammenfassend kam Herr Lauber zu dem Ergebnis: „Mit BIM wird gutes Bauen besser und effizienter und schlechtes Bauen schlimmer. Feinde sind Intransparenz und Ignoranz.“ Des Weiteren resümierte er: „BIM ist für das Bauwesen, was Flugzeuge für die Fortbewegung sind - Gefahr für Missverständnis und politisches Overselling.“ Den Schlüssel zum Bauerfolg formulierte er wie folgt: „Bauen braucht Vertrauen – mit BIM noch viel mehr! Wir brauchen einen Wandel in der Baukultur!“

Zu Beginn des zweiten Veranstaltungsblockes mit dem Titel „BIM für Architekten und Ingenieure“ referierte Herr Andreas Broßmann, Geschäftsführer Canzler GmbH, über „die Realität von BIM in den deutschen Ingenieurbüros, auf dem Weg zum Durchbruch?" Nach einer kurzen Vorstellung des Unternehmens und seiner Ziele beschrieb er die Merkmale des „Planungs- und Bauprozesses heute“ anhand von zwei Beispielprojekten. Kennzeichneten den Planungs- und Bauablauf des von 2000 bis 2003 realisierten „Neubau Investment Banking Center und Bürokomplex“ noch Vorgaben nach CAD/CAFM-Handbuch, an Zeichnungsobjekte angehängte Eigenschaften der Bauteile, über die Planungs- und Bauabschnitte detaillierte Informationstiefe und ins CAFM-System übernommene Daten, so wurde der Neubau des Terminal 3 (Hauptgebäude und Passagierpiere) am Flughafen Frankfurt/Main (2011-201X) bereits mit der BIM-Methode in 3 D geplant. Dabei liegen alle Gewerke auf einem gemeinsamen Datenserver. Die Kollisionsprüfung erfolgt automatisiert, der Austausch von Planprüfungen digital. Vergleicht man das traditionelle Planungsverfahren mit der BIM-Methode, so sind die Bedarfsplanung in der Konzeptionsphase und die ständige Synchronisation der Planung und Einrichtung neu hinzugekommen. Die Herausforderung bei der Anwendung von BIM liegt für Canzler in der „Phasenlänge“ und in der „Synchronisation“, die bei Großprojekten auf Dauer zu einer Katastrophe führen kann. Sie erfolgt bei Canzler nur am Ende der Leistungsphasen. Auch erfordert der Erfolg eines BIM-Projektes die Ehrlichkeit aller i. d. R. zahlreich vorhandenen Projektbeteiligten. Erfahrungen des Ingenieurbüros im Umgang mit der neuen Planungsmethode zeigen, dass nachträgliche Änderungen problematisch sind. Auch ist „der Fachplaner“ bei BIM-Projekten „immer hinten dran“. Kostenrisiken werden oftmals zu spät identifiziert. Terminpläne sind nie aktuell. Auch fehlende oder verspätete Entscheidungen des Bauherrn, ausstehende zeitkritische Zuarbeiten beteiligter Planungspartner, knappe personelle Ressourcen aufgrund enger Terminpläne, Beauftragungen in letzter Sekunde und Vorgaben uneinheitlicher Werkzeuge (zu viele verschiedene IT-Systeme) durch viele große Auftraggeber können sich negativ auf den Erfolg eines BIM-Projektes auswirken. Im Hinblick auf die Auswirkungen bzw. das Einlösen der Versprechen von BIM – Reduzierung der Baukosten und der Bauzeit, keine Nachträge, Steigerung der Planungsqualität – hat das Ingenieurbüro im Rahmen einer Nachtragsanalyse eines Großprojektes festgestellt, dass BIM bei der Planung unterstützen und Fehler vermeiden kann, bspw. bei Kollisionen und unkoordiniertem Bauablauf wie Rückbau, Provisorien, bei Vergabelücken, TGA, Berechnungs- und Funktionsmängel, unvollständige oder geänderte Anforderungen, Kosten-Wiederholungsplanung. Aufwendungen späterer Planungsphasen werden bei BIM nach vorne geschoben. Nach Einschätzung des Unternehmens bleiben die Planungs- und Baukosten, die Funktion und unkoordinierte Wirkprinzipien gleich, unabhängig davon, ob BIM angewendet wird oder nicht. Alle übrigen Faktoren sind vorhanden, aber in einem geringen Ausmaß. Die Erfahrung mit BIM hat aber auch gezeigt, dass sich Nachträge nicht vermeiden lassen. Nichtdestotrotz „rechtfertigen interne Effizienzsteigerungen BIM schon heute“. Zum Ende seines Vortrages gewährte Herr Broßmann noch einen Einblick in den aktuellen „Status bei Canzler und in anderen Büros“. Das Ingenieurbüro steht heute vor dem Ende der Analysephase. Mitarbeiter werden mit Nachdruck in BIM geschult, erste Projekte mit BIM realisiert. Zuversichtlich fasste Herr Broßmann die Ergebnisse seines Vortrages mit den Worten zusammen: „BIM - Wir kommen!“

Danach lud Frau Dipl.-Bauingenieur BSc. MSc. Dorothee Führer, Transaction Advisory Services, Ernst & Young Real Estate GmbH, zur ersten Podiumsdiskussion des Kongresses mit den Referenten aus Block I und II und dem Vizepräsidenten des Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e. V. ein. Herr Dipl.-Ing. Architekt Hubert Borchert legte die Einschätzung des Berufsverbandes zum Thema dar. BIM ist kein Allheilmittel gegen „Pfusch am Bau“. Auch ist das „Planen und Bauen mit BIM“ nicht mit der „Automobilindustrie“ vergleichbar. Seiner Einschätzung nach kann BIM durch kleine Büros nicht geleistet und mittelfristig auch nicht umgesetzt werden. Das Thema ist seit ca. 10 Jahren in der Diskussion. Jeder Schritt, der bei BIM getan wird, sollte gut überlegt sein. Frau Dr. May, die BIM auch nicht als ein Allheilmittel ansieht, vertrat die Auffassung, dass man sich vielmehr fragen solle, welche Vorteile insbesondere Betreiber durch die Anwendung der neuen Arbeitsmethode haben. Nach Auffassung von Herrn Lauber stellt Deutschland im Hinblick auf das Bauen eher einen Fall für eine Generalsanierung dar. BIM würde nicht gebraucht werden. Vielmehr solle Deutschland ein eigenes Bauwesen erstellen. Nach Auffassung von Frau Dr. May und Herrn Broßmann wird das Thema BIM in Deutschland noch nicht richtig ernst genommen. Herr Borchert gab zu bedenken, dass im Rahmen des nachhaltigen Bauens bereits Anforderungen erfüllt sind (vgl. BBR „Leitfaden Nachhaltiges Bauen“). „Vom Wettbewerb bis zur Entsorgung ist bereits ein System gepackt. Hier sollte geschaut werden, welche Elemente übernommen werden können. Das Ganze sei nicht hoffnungslos, Vorbilder würde es geben“, so seine Worte zum Abschluss der kontrovers geführten Diskussion. Wie den aktuellen BDB-Informationen zu entnehmen ist, wurde im Oktober 2015 eine BIM-Arbeitsgruppe vom BDB ins Leben gerufen. Sie wird das Thema BIM für den BDB weiterhin mit der erforderlichen kritischen Distanz begleiten, insbesondere im Sinne der kleinen und mittelgroßen Architekten- und Ingenieurbüros.

„BIM an der Nahtstelle zwischen Planungs- und im Produktionsprozess von WeberHaus“, so lautete der Vortrag von Herrn Daniel Eckstein, Leiter Bauplanung 1, WeberHaus, zu Beginn des dritten Veranstaltungsblocks mit dem Titel „BIM im Baugewerbe“. Nach einer kurzen Vorstellung des 1960 als Zimmerei mit einem Gesellen gegründeten und mittlerweile in der zweiten Generation geführten Familienunternehmens gab der Referent einen interessanten Einblick in das Arbeiten mit BIM bei WeberHaus. Seit 1981 arbeitet der Fertighaushersteller mit CAD. Erste Anwendungen liefen ab 1985 auf AIX-Maschinen. In den Folgejahren stieg die Anzahl der Nutzer rapide an. Die manuelle Abbund-Technik wurde im Jahre 2000 durch Abbund-Anlagen abgelöst. Seit diesem Zeitpunkt wird HLI (High-Level-Interface = Software-Schnittstelle für den Datenaustausch zwischen den Programmen) für die Fertigung genutzt. Das 3 D-Modell war im Unternehmen von Beginn an „mit dabei“ und wurde kontinuierlich weiterentwickelt. Bedingt durch die unterschiedlichen Anforderungen / Teilaufgaben waren rückblickend sehr viele Anpassungen erforderlich. Herr Eckstein erläuterte den Planungsprozess vom Verkauf bis zum Abbund einschl. verwendeter Softwareprogramme (Arcon > Speedikon > Bocad), exemplarisch für die Elektroplanung mit Einbauelementen, Prüfung durch Elementreport vor der Fertigung und den softwaregestützten Produktionsprozess mit automatischer Elementierung (Wände, Decken, Dach werden mit Bocad bearbeitet, der Datenimport erfolgt über HLI), Wandfertigung mit modernster Technik, Nagelbrücken und Handfertigung Sanitär sowie den Fenstereinbau und die Verladung der Elemente. Die Fertigungsmaschinen sind mit einer numerischen Steuerung (NC) ausgerüstet. Am Ende des Vortrages wurde das mit der neuen Methode geplante und umgesetzte „Vertriebsschulungszentrum Saarland“ mit einer Gesamtnutzfläche von 1.650 m² vorgestellt. Herr Eckstein betonte, dass BIM bei WeberHaus schon seit einigen Jahren erfolgreich im Einsatz ist (Inhouse) und durch die Anwendung der BIM-Methode keine Nachträge mehr bei den Projekten angefallen sind. Aktuell sind im Unternehmen ca. 1.100 Mitarbeiter in Vertrieb, Verwaltung, Produktion und Montage beschäftigt. Die Vorfertigung der Häuser findet an zwei Produktionsstandorten statt, im badischen Rheinau-Linx und in Wenden-Hünsborn (Sauerland). Vertrieben werden die Häuser schwerpunktmäßig in Deutschland, mit einem Exportanteil von ca. 20% auch in der Schweiz, in Frankreich, in Luxemburg und in Großbritannien.

Auch Herr Dipl.-Bauingenieur Jan Birkemeyer, Prokurist, Leiter Integrale Planung, Goldbeck NORD GmbH zeigte in seinem Vortrag die großen „Potentiale und Chancen“ bei der Anwendung von „BIM mit System“ auf. Das Kerngeschäft des mittelständischen, mit ca. 4.000 Mitarbeitern unabhängig geführten Familienunternehmens beinhaltet das „Konzipieren, Bauen und Betreuen von Gewerbe- und Kommunalimmobilien“. Das Bauen im Bestand, öffentliche PPP-Projekte und Gebäudemanagement-Dienstleistungen sind weitere Leistungen. Die Unternehmensgruppe baut mit systematisierten, i. W. in Eigenfertigung produzierten Elementen. Ein dezentrales Netz von europäischen Niederlassungen und vier Werken für Bauelemente aus Stahl, Aluminium und Beton ist vorhanden. Über 1.000 Architekten und Ingenieure arbeiten an der Planung schlüsselfertiger Bauprojekte in interdisziplinär besetzten Planungseinheiten. Nach der Vorstellung des Unternehmens ging der Referent auf das Thema BIM und seine Wahrnehmung im öffentlichen Denken ein. Danach wird BIM in Deutschland Planungsstandard werden. Problematisch ist, dass es bislang keine einheitlichen Regeln für BIM gibt, die Planungsprozesse völlig neu und durch die HOAI nicht abgedeckt sind. Dass BIM so gut zu Goldbeck Nord GmbH passt, das begründete Herr Birkemeyer damit, dass parametrisierte Bauteile in der Planung den Systembauteilen des Unternehmens entsprechen und für die integrale Planung nun das passende „Werkzeug“ geschaffen wurde. Auch sind alle Planungsbeteiligten / Disziplinen in den „eigenen Reihen“ vorhanden. Die Regeln für die Zusammenarbeit werden einmal allgemeingültig festgelegt. Auf einen BIM-Koordinator kann verzichtet werden. Aus Sicht des Unternehmens wird das Planen und Bauen durch BIM nicht komplexer sondern einfacher – wobei BIM bei Goldbeck Nord GmbH (customized) nicht gleich BIM ist. Er erläuterte, dass bei BIM-Projekten im Unternehmen zwischen drei BIM-Level unterschieden wird. Die Basis bildet eine durchgängige Planung in 3 D mit Fachmodellen (Architektur, Struktur, Dach-Wand, Solar, TGA). Die Vorteile von BIM bzw. des Fachmodellkonzeptes sind vielfältig. Integrales Planen wird zu integralem Bauen, bei der auch die Werkstatt- und Montageplanung eingebunden wird. Eine eindeutige Prozesskette entsteht, die alle relevanten Planungsdaten bis zur Fertigung beinhaltet. Den einzelnen Bauteilen können neben den geometrischen Daten auch Attribute zugeordnet werden, mit Hilfe derer ganze Terminketten verfolgt, Zuordnungen zu bestimmten Gewerken getroffen und Kosten hinterlegt werden können. Für die Fertigung werden alle relevanten Daten aus dem Strukturmodell direkt an die Werke übergeben. Die „intelligenten Bauteile“ im Modell können auch zur Massenermittlung und Ausschreibung oder zur Erstellung von Türlisten und Raumbüchern genutzt werden. Die Flächen werden automatisch ermittelt und die Daten direkt in die Kalkulations-/Ausschreibungssoftware übergeben. Am Ende seines Vortrages gab Herr Birkemeyer noch einen Ausblick auf erste Pilotprojekte und die weitere Nutzung der BIM-Modelle, u. a. die Hinterlegung von Wartungskosten und -intervallen, die digitale Übergabe an das Gebäudemanagement, aber auch die Zusammenarbeit mit externen Planern, insbesondere im Hinblick auf den Datenaustausch. Als klarer Befürworter von BIM kam Herr Birkemeyer zu folgendem Schluss: „Aus SimsalaBIM wird BIM - Mit guten Werkzeugen, klaren Regeln und systematisierten Prozessen ist BIM nicht komplex sondern ermöglicht eine Qualitätssteigerung in der Planung und in der gesamten Wertschöpfungskette.“

Den Abschluss bildete die von Frau Dr. Carmen Schneider, LCEE Life Cycle Engineering Experts GmbH, moderierte zweite Podiumsdiskussion des Kongresses zu den gehörten Vorträgen des dritten Veranstaltungsblocks mit den Referenten, Frau Dr. May und Herr Stefan Korthals, Managing Direktor, CORPUS SIREO Asset Management. Die ebenfalls kontrovers geführte Diskussion zeigte, dass BIM mit eigenem Leistungsbild sowohl bei WeberHaus als auch bei Goldbeck Nord nicht mehr wegzudenken ist. CORPUS SIREO Asset Management, dessen Kerngeschäft im Kauf und Wiederverkauf von Gebäuden besteht, sieht bis auf den sozialen Wohnungsbau keine Herausforderungen für BIM im Wohnungsbau. Eine Digitalisierung der Wertschöpfungskette rechnet sich aufgrund der Unverhältnismäßigkeit von Kosten und Nutzen dort nicht. Planen-bauen 4.0 vertrat die Auffassung, dass ein Umdenken bzw. eine Abkehr vom anwendungs- zum datenzentrischen Denken erforderlich ist. Daten müssen verstanden werden, damit sie wertschöpfend nutzbar sind. Auch werden Daten noch nicht ausreichend wertgeschätzt. Offene, herstellerneutrale Datenlösungen / Systeme werden gebraucht. Es gibt noch viel zu tun, zu forschen. Auf die Frage, ob es Transparenz in den Unternehmen gibt, die mit BIM arbeiten, antworten die Referenten von WeberHaus und Goldbeck Nord mit einem eindeutigen Ja. Sie betonten, dass es im eigenen Hause keine Nachtragskultur gibt. Auch ist eine partnerschaftliche, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern gegeben. Für eigene PPP-Projekte hegte Goldbeck Nord die Hoffnung, bald auch externe Planer einbinden zu können. Das Thema Transparenz ist nach Auffassung von planen-bauen 4.0 viel kritischer zu sehen, da es sich hier um ein kulturelles Thema handelt. Bei BIM sieht man, wie jemand gearbeitet hat. BIM bietet keinen Platz mehr, sich zu verstecken. Die Beteiligten müssten lernen, damit umzugehen.

Nach der Mittagspause legte Herr Dipl.-Ing. Architekt August Pries im vierten Vortagsblock „BIM für Betreiber und Eigentümer“ die „Erwartungen an BIM aus Sicht der Öffentlichen Hand und Wege zur Lösung – Spagat zwischen Wünsch Dir was und Realität“ dar. Herr Pries ist Abteilungsleiter bei der CAD-Stelle Bayern, Staatliches Bauamt München 2 und hat u. a. die Erarbeitung des BIM-Leitfadens für Deutschland im Rahmen der Forschungsinitiative „Zukunft BAU“ fachlich begleitet. Zunächst stellte er die CAD-(Leit-)Stelle Bayern vor. Sie ist eine von insgesamt siebzehn in ganz Deutschland (einschließlich Bundesleitstelle), wurde 1998 gegründet und befindet sich am Standort München-Großhadern. Dort sind 7 Mitarbeiter beschäftigt, die mit externen Architektur-/Ingenieurbüros zusammenarbeiten und mit Daten beliefert werden. Zu den vielfältigen Aufgaben der CAD-Stelle gehören u. a. die Auswahl, die Entwicklung, der Support und die Administration der CAD-/Datenbank Software, die Projektdurchführung/-bearbeitung, der Datenaustausch einschl. Konvertierung, aber auch die Schulung der gesamten bayerischen Bauverwaltung (22 Bauämter) und Workshops. Der Gebäudebestand mit 4.774 Liegenschaften, 20.400 Gebäuden bei insg. ca. 27.724.000 m² BGF ist in ca. 1.060.800 Dateien erfasst. Ihr Wert wird auf ca. 66.540.000 € beziffert. Bevor Herr Pries die Probleme der „Branche öffentliche Hand“, den Leidensdruck und die Erwartungen darlegte, stellte er vorweg die These auf, dass Modelle im Planungs- und Herstellungsprozess durchgängig nutzbar sind, später aber eingeschränkt. Früher wurde mit dem Geographischen Gebäudeinformationssystem (GGIS) gearbeitet, heute mit BIM. Was den Status Quo anbelangt, so befinden sich die öffentliche Hand in Bayern / Deutschland in einer frühen Pionierphase des BIM. Aufschluss gab die besondere Sicht der CAD-Stelle Bayern im Kontext des Vortragsthemas, die anhand von vielfältigen BIM-Projekten für Neubau und Bestand vermittelte wurde. Herr Pries betonte, dass die Bestandsdatenhaltung bei der CAD-Stelle Bayern ein sehr wichtiges Thema ist. Die Erfahrung zeigt, dass bei OPEN BIM eine Modellnutzung auf Basis IFC aus heterogener Softwarelandschaft für referenzierte Modelle und daraus abgeleitete Szenarien wie Abstimmungen / Kollisionskontrollen, etc., für Modelle für Auswertungen, Simulationen, FM und nachgelagerte temporäre Prozesse möglich ist, jedoch nicht für eine native Weiternutzung von Modellen in „Fremdsoftware“ auch nicht die eines Softwareherstellers. Diese Erkenntnisse führten zu vielfältigen Fragen, die die CAD-Stelle Bayern durch ein Forschungsprojekt mit der Universität BW als Praxispartner herausfinden möchte. Der Referent merkte an, dass vertragliche Regelungen von BIM-Leistungen derzeit stark in einschlägigen Fachkreisen diskutiert werden. Es wird zu zeitlichen, inhaltlichen Verschiebungen und vertraglichen Anpassungen kommen. Die Vergütung von BIM-Leistungen ist neu zu regeln, aber im Regelwerk der geltenden HOAI abzubilden. „Was ist, was müsste, was nicht darf, damit BIM sich durchsetzt“, dass resümierte Herr Pries am Endes seines Vortrages. Zum Status Quo stellte er fest, dass vielfache eigene Erfahrungen und Erkenntnisse in BIM-Teilbereichen vorliegen, demgegenüber praktische BIM-Projekte und oftmals leider auch die Risikobereitschaft der Entscheidungsträger fehlen. Die gängige Praxis mit kleinteiliger Vergabe, zum Teil stufenweiser Einzelbeauftragung von Planungsleistungen behindert eine durchgängige Wertschöpfung. Teilweise fehlen Kenntnisse, aber auch die Risikobereitschaft in den Planungsbüros. Ein durchgängiges modellbasiertes Arbeiten in der Ausführungsphase gestaltet sich aufgrund der starken Gewerke-Differenzierung und Einzelbeauftragungen äußerst komplex. Auch hier fehlen vertiefte Kenntnisse sowie unter Termin- und Kostendruck die Bereitschaft der Beteiligten. Die heterogene Softwarelandschaft in Deutschland erschwert zudem den durchgängigen Datenfluss (Schnittstellenimplementierung und Zertifizierungen mit Optimierungsbedarf). Zwar im Gange, aber noch nicht abgeschlossen ist die Standardisierung mit Normen und Richtlinien (DIN/VDI/HOAI). Aus Sicht des Referenten sollte das Gesagte aber keinen Anlass bieten, nicht mit BIM zu beginnen. Damit die neue Planungsmethode erfolgreich ist, dazu muss es nach Ansicht des Referenten vor allem Koalitionen von Willigen und Fähigen mit Weitblick sowie Auftraggebern und Auftragnehmern mit einem gewissen Maß an Risikobereitschaft geben. Des Weiteren benötigt BIM konkrete, gut vorbereitete und begleitete Pilotprojekte, möglichst unterschiedlicher Größe und Anforderungen. Auch müssen BIM Randbedingungen (Methoden / Software / Vertragswesen / Ausbildung der Beteiligten) ständig weiterentwickelt und optimiert werden. Auf Dauer muss BIM deutlich erkennbare, messbare Vorteile, z. B. hinsichtlich Projekttransparenz und tatsächlichem Mehrwert entlang der Wertschöpfungskette nachweisen. Diese Aufgabe sieht Herr Pries vor allem bei den Hochschulen. Was nicht sein darf ist, „dass BIM zu einem vorübergehenden Hype und einer temporären Werbestrategie verkommt“. Dazu ist das Potential von BIM viel zu groß. Erwartungen an BIM liegen in neuen, bisher nicht gekannten Planungs- und Herstellungsmethoden im Bauprozess, z. B. in der modellbasierten Navigation, in der Verfügbarkeit vernetzter Informationen an nahezu jedem Ort, in der direkten modellbasierten Datennutzung auf der Baustelle und in der Entwurfsübergabe in VR Umgebungen. Chancen für BIM werden vor allem in der konsequenten Anwendung und Nutzung der neuen Arbeitsmethode gesehen, die deutliche Qualitätssteigerungen und Rationalisierungseffekte in der gesamten Wertschöpfungskette erzielen wird. Demgegenüber stehen zunehmend deutlich höhere Anforderungen an die Prozessbeteiligten in Bezug auf ihre Qualifikation und ihr Leistungsvermögen.

Herr Harald Rohr, Senior Executive Vice President - Real Estate und Facility Management Fraport AG, ging in seinem Vortrag auf die Frage ein, „was ein erfolgreiches BIM bei Fraport benötigt“. Zunächst stellte der Referent die Immobilien am Frankfurter Flughafen vor und erläuterte die laufenden und geplanten Investitionen bis 2022. Der Frankfurter Flughafen auf einer Gesamtfläche von 22,96 km² verfügt über einen Immobilienbestand von mehr als 400 Gebäuden mit 3,2 Mio. m² BGF. Die Gebäudestruktur ist heterogen. Zum Immobilienbestand gehören Terminals, Büro- und Verwaltungsgebäude, Werkstätten, Logistikgebäude, Parkhäuser, aber auch weitere bauliche Anlagen, bspw. Tunnel, Abwasserreinigungsanlagen und Kabelkanäle. Der Fokus liegt auf dem Gebäudebestand und dem Betrieb (24 h). Die Bewirtschaftung stellt eine der Schlüsselphasen des Lifecycle-Managements mit zentraler Bedeutung in der Wertschöpfungskette dar. Fraport als ganzheitlicher Immobilienbetreiber verfolgt eine konsequente Optimierung des Verhältnisses von Lebenszykluskosten zu Anlageneffektivität bzw. eine kontinuierliche Optimierung der Bewirtschaftungskosten. Die Immobilien am Frankfurter Flughafen sind permanenten baulichen und technischen Änderungen unterworfen, bspw. durch Umbauten, Modernisierungen, Erweiterungen. Diese erfordern wiederum eine kontinuierliche und zum Teil auch sehr zeit- und personalintensive Aktualisierung der Bestandsdokumentation, teilweise aber auch nachträgliche, kostenintensive Bestandsaufnahmen. Am Flughafen Frankfurt ist eine Vielzahl von Beteiligten mit unterschiedlichsten Interessen zu koordinieren. Der Aufwand an Einbindung, Information und Steuerung ist dementsprechend hoch. Herr Rohr erläuterte, dass die Optimierung der Bewirtschaftungskosten neben einer fundierten Dokumentation beim Übergang Projekt zu Objekt eine hohe Transparenz in allen Lebenszyklusphasen erfordert, die durch BIM möglich wird. Der Referent führte aus, dass BIM Fraport unterstützen kann, u. a. durch die Vernetzung der graphischen und alphanummerischen Daten, durch einen Austausch der Beteiligten an einem gemeinsamen Modell, bei der Ermittlung von Problempunkten wie Leitungskollisionen, bei der Simulation verschiedener Planungsvarianten mit Blick auf die Bewirtschaftungskosten und Instandhaltungsstrategien, aber auch beim Einkauf und der Vergabe von technischen Anlagen. Zudem wird durch BIM eine empfängergerechte Aufbereitung und Darstellung der Planung zur leichteren Bewertung von Maßnahmen möglich. Aktualisierungen werden fortlaufend am digitalen Modell vorgenommen, ein separates Nachführen der Maßnahmen ist nicht mehr erforderlich. Die Dokumentation ist zentralgeführt, transparent und vollständig. Danach ging Herr Rohr auf die Anforderungen an BIM aus Sicht von Fraport ein. Zunächst ist die für den Flughafen für alle Maßnahmen verbindliche Verfahrensrichtlinie CAD (Objektplanung Architektur, Tragwerk, Technische Gebäudeausrüstung, Ingenieurbauwerke, Fluchtwegeplanung, etc.) zum BIM-Handbuch weiterzuentwickeln. Auch werden zur Anwendung der neuen Planungsmethode (weitere) qualifizierte Mitarbeiter benötigt. Herr Rohr betonte, dass für ein erfolgreiches BIM nicht nur Systeme reichen, sondern der Mensch wesentlicher Faktor ist. Zudem erfordert BIM eine partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Beteiligten bzw. eine völlig neue Planungskultur. Nach Auffassung des Referenten liegt der Schlüssel zum Erfolg von BIM in der Zukunft auch ganz besonders in der Qualität der Ausbildung und Studiengänge. Erforderliche Fachkompetenzen und Schlüsselqualifikationen für BIM sollten bereits in der Ausbildung und im Studium vermittelt werden. Zum Ende seines Vortrages zeigte Herr Rohr ein Praxisbeispiel auf und fasste die Ergebnisse zusammen. Die Anwendung der BIM-Methode kann helfen, die Planung und die Dokumentation für das Facility Management zu verbessern, Prozesse zu beschleunigen, Schnittstellen zu reduzieren und damit die Rentabilität der Immobilien zu steigern. Aus Sicht des Referenten ist BIM kein System, das eingekauft werden kann. Entscheidend sind die Menschen, die das System nutzen. Er betonte nochmals, dass neben den Anwendern in der Praxis vor allem die Hochschulen gefragt sind, Absolventen auf BIM vorzubereiten.

„Warum ein IT-Unternehmen der Immobilien- und Wohnungswirtschaft auf BIM setzt“, diese Frage beantwortete Herr Martin Habib, Leiter Wodis Sigma Entwicklung & Support, Aareon am Ende des vierten Veranstaltungsblockes. Das seit über 50 Jahren am Markt tätige Unternehmen mit ca. 1.350 Mitarbeitern (davon über 1/3 in Europa) ist eine hundertprozentige Tochter der Areal Bank. Das Beratungs- und Systemhaus bietet IT-Systeme für alle Segmente der Immobilien- und Wohnungswirtschaft an. Der Referent führte aus, dass der Fokus der Geschäftstätigkeit auf der Wohnungswirtschaft liegt und BIM für die Gebäudeplanung, Baudurchführung, das Bestandsmanagement (Instandhaltung, Modernisierung), für die Vermietung, den Verkauf und den Abriss genutzt wird. Die Besonderheiten und Herausforderungen an die Wohnungswirtschaft und die IT-Hersteller liegen insbesondere darin, dass für Bestandsbauten keine BIM-Daten vorliegen (und wenn ja, dann meist nur in analoger Form). Das Neubau-Geschäft ist im Vergleich zum Bestand eher geringfügig, das Kerngeschäft liegt im Bestandsmanagement. Eine Nacherfassung von BIM-Daten ist unerlässlich. Des Weiteren muss BIM auf einer Plattform voll integriert werden und eine Visualisierung durch BIM (Nutzungskonzept) ist erforderlich. Eine Cloud-Anwendung für BIM (ERP-Systeme) erscheint sinnvoll, wobei in dem Zusammenhang zu klären ist, wer dafür zahlt und haftet. Durch die Visualisierung kann der Prozess der Instandhaltung beschleunigt werden. In seinem Fazit konstatierte Herr Habib, dass erhebliche Einsparungen durch BIM möglich sind, BIM die Immobilien- und Wohnungswirtschaft durchdringen wird, der Fokus auf der Betriebsphase liegt, die Grundbedingung eine Nacherfassung vorhandener (Alt-)Bestände erfordert, die Visualisierung als Nutzungskonzept ein größeres Gewicht in der IT bekommt, BIM die Abbildung von Kollaborationsmodellen beteiligter Partner fordert und eine Cloud die dafür notwendige Plattform darstellt.

Im fünften Veranstaltungsblock mit dem Titel „BIM mit Juristen“ betrachtete Herr Dr. Florian Schrammel, Gesellschafter bei HFK Rechtsanwälte LLP, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, „den rechtlichen Rahmen bei der Umsetzung von BIM“. Zunächst erläuterte er, dass sich aus der Notwendigkeit bei BIM > „Planen vor Bauen“ und dem integralen, kooperativen Ansatz bei BIM > „Partnerschaftlichkeit als Grundlage“) vorrangig juristische Handlungsfelder für die Vertragsgestaltung (nicht bei Gesetzen / Verordnungen) ergeben; nach GEFMA 100-2-2014 in den Lebenszyklusphasen Planung (2) mit HOAI, Vergabe- und Urheberrecht – Errichtung (3) mit BGB oder VOB/B – Vermarktung (4), Beschaffung (5), Betrieb + Nutzung (6), Umbau + Sanierung (7) jeweils mit Vertragsrecht und BGB. Im Vergleich zur herkömmlichen Planung erfordert das Erstellen von Gebäudedatenmodellen mittels BIM eine genauere Auseinandersetzung mit der Planung und der Darstellung vieler Annahmen zu einem früheren Zeitpunkt. Entscheidungen, die nach traditioneller Planung erst in der Ausführungsplanung benötigt werden, könnten schon in der Entwurfsphase erforderlich sein. Zu den Wesensmerkmalen der HOAI gehören aufeinander aufbauende Leistungsphasen mit Grundleistungskatalogen und getrennten Leistungsbeiträgen der Planungsbeteiligten. Demgegenüber kennzeichnet BIM eine integrale Denk- und Herangehensweise, bei der alle Projektbeteiligten das Planungskonzept gemeinsam sukzessive weiterentwickeln. Obwohl der kooperative Ansatz der neuen Arbeitsmethode nicht zur HOAI mit ihrem starren, an der Abarbeitung bestimmter Leistungsphasen orientiertem Vergütungsmodell passt, kann BIM vergütungsrechtlich in der HOAI untergebracht werden. Der Abstimmungsaufwand zwischen den einzelnen Gewerken wird nach vorne verlagert, d. h. von der Baustelle in die Planung. Dadurch bedingt ändert sich auch die Gewichtung der Leistungsphasen. Grundleistungen kommen hinzu oder entfallen. Zusammenfassend konstatierte der Rechtsanwalt, dass es in der Planungsphase keine wesentlichen Anwendungsprobleme in Bezug auf die HOAI gibt. Voraussetzung ist, dass BIM in einen Planervertrag integriert und dabei der vertraglich geschuldete Werkerfolg definiert und vertragsrechtlich vereinbart wird. Die Errichtungsphase ist vom kooperativen Zusammenwirken aller Projektbeteiligten geprägt. Als „neuer“ Begleiter kommt der sog. BIM-Manager hinzu, der die Beiträge der einzelnen Planungsbeteiligten koordinieren soll. Auch soll er sicherstellen, dass das gemeinsam bearbeitete Gebäudedatenmodell in sich schlüssig ist und geltende Standards eingehalten werden. Der BIM-Manager haftet dabei für den Werkerfolg (Datenmodell) mit 100 %. Denkbare Lösungsansätze für eine BIM-Vertragsgestaltung sind Mehrparteienverträge oder die stärkere „Vernetzung der Einzelverträge (Schaffung organisatorischer Rahmenbedingungen). Zu definieren sind u. a. Mitwirkungshandlungen/-pflichten, Hol- und Bringschulden, Befugnisse und Hinweis-/Kontrollpflichten der qualitätsgerechten Ablieferung bzw. Freigabe von „Beiträgen“. Eigentumsregelungen am Modell und Regelungen der Kommunikationsstrukturen sowie der Bindungswirkung von Kommunikation sind zu treffen. Auch ist die dauerhafte Einbindung des BIM-Managers zu regeln. Das Problem des Gesamtschuldausgleichs im Innenverhältnis der Beteiligten entsteht. Danach zeigte der Referent einige Konsequenzen im Falle der Vereinbarung der VOB/B auf, die auch Grundlage für das neue Verfahren ist. Im Hinblick auf die Haftung stellt das werkvertragliche System eine ausreichende Basis bei BIM dar. Schwierigkeiten können sich im Einzelfall ergeben. Bezogen auf die Auswirkungen von BIM auf das Urheberrecht bleibt es bei den gebräuchlichen Vertragsmustern – wobei sich der Auftraggeber aber die Nutzungs-, Verwertungs- und Veröffentlichungsrechte übertragen lassen sollte. Zum Ende seines Vortrages ging Herr Dr. Schrammel auf die Betriebs- und Nutzungsphase ein. Seiner Auffassung nach liegt dort der wahre Nutzen von BIM und FM. Durch die Anwendung der optimierten Managementmethode können insbesondere die Lebenszykluskosten gesenkt werden. Regelungen zur Übergabe der Gebäudedokumentation an das Gebäudemanagement und zur kontinuierlichen Pflege der Gebäudedaten (u. a. Zugriffsmöglichkeiten) sind erforderlich. Ob BIM allerdings die Fehler der Projektbeteiligen lösen kann, bleibt abzuwarten.

Die dritte Podiumsdiskussion des Kongresses mit den Referenten Pries, Rohr, Habib, Dr. Schrammel und dem Leiter der BASF Corporate Real Estate & FM, Herrn Dr. Thomas Glatte, wurde von Frau Rechtsanwältin Birgit Schaarschmidt aus der gleichnamigen Anwaltskanzlei moderiert. Als wesentliche Diskussionsergebnisse sind festzuhalten, dass für BIM eine Erfolgschance in Deutschland gesehen wird, erste nationale Erfahrungen im Umgang mit BIM vorliegen, geschultes bzw. qualifiziertes BIM-Personal derzeit noch rar gesät ist, durch konkrete Zahlen bislang nicht belegt ist, ob mit BIM wirklich alles günstiger wird, es keine rechtlichen Vorteile bei BIM gibt, die Vertragsgestaltung eher komplexer, juristisch schwerer greifbar wird, bei BIM jedoch ein Gesamtschuldnerausgleich auf Grundlage bestehender Rechtsprechung in Deutschland nach wie vor möglich ist, jedoch erst einmal der Kulturwandel in Deutschland bewältigt und geklärt werden muss, wie in dem Zusammenhang ein partnerschaftliches Miteinander aufgebaut und die gewachsene Struktur des Misstrauens abgebaut werden kann.

„Ob ein Innovationsschub in der Industrie durch BIM?!“ zu erwarten ist und „was die Industrie für die Immobilienwirtschaft entwickelt“, darauf ging Herr Dr. Johannes Milde, Executive Adviser (zuvor CEO) SIEMENS-Division Building Technologies, in seinem Impulsvortrag mit dem Titel „BIM abgehängt von Industrie 4.0 oder smartBuilding?“ im sechsten und letzten Veranstaltungsblock ein. Das Unternehmen mit Hauptsitz im schweizerischen Zug ist weltweit auf dem Markt für energieeffiziente, umweltfreundliche, sicherere, geschützte Gebäude und Infrastrukturen tätig. Als Technologiepartner, Dienstleister, Systemintegrator und Produkthersteller offeriert es Produkte für die Bereiche Gebäudeautomation, Heizungs-/Lüftungs-/Klimatechnik, Energiemanagement, Brandschutz und Sicherheit. Die Investitionen belaufen sich bis zu 600 Mio. € jährlich. Zu Beginn seines Vortrages wies der Referent darauf hin, dass 80% der Kosten in der Nutzungszeit eines Gebäudes inkl. Anpassungen entstehen. Siemens-Division Building Technologies arbeitet aktuell noch überwiegend in 2 D, was aber effizienter gestaltet werden könnte. Die BIM-Methode ist im Unternehmen noch nicht im Einsatz, jedoch wird eine Digitalisierung angestrebt. Derzeit werden die 2 D-Daten bis zur Übernahme vorbereitet – nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund des aktuellen, vom Architekturbüro KSP Frankfurt/Main geplanten und voraussichtlich ab Herbst 2016 im ersten Bauabschnitt befindlichen Projektes „Siemens Campus Erlangen“. In einem kurzen Exkurs erläuterte der Referent, dass im Süden Erlangens auf dem heutigen Forschungsgelände ein Campus für Büro-, Forschungs- und Laborarbeitsplätze sowie Wohnungen und ein Hotel mit Konferenzbereichen als Prototyp entstehen soll. Als interner Immobiliendienstleister setzt Siemens Real Estate das Bauvorhaben schrittweise um. Wie den Informationen des Unternehmens zu entnehmen ist, leistet der Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Erlangen als Kompetenzzentrum des Ingenieurwesens einen erheblichen Beitrag zur Innovationskraft von Siemens. Das Unternehmen beabsichtigt, die bestehende Infrastruktur weiterzuentwickeln. Zum Vortragsthema zurückkehrend teilte Herr Dr. Milde mit, dass es „das BIM-Modell“ bzw. „das eine BIM als Allheilmittel“ für jedes Bauprojekt aus seiner Sicht nicht geben wird, sondern es mehrere sein werden. Effizienzvorteile durch BIM werden vor allem für den Gebäudebetrieb erwartet. Die Betriebsdaten vieler Gebäude sind noch ungenutzt bzw. könnten besser genutzt werden. Interessant ist für Siemens-Division Building Technologies in den Zusammenhang vor allem die Frage, wie miteinander kommunizierende Endgeräte für Gebäude/TGA-Nutzung intelligenter gemacht werden können. Das Unternehmen arbeitet derzeit am automatischen Anmeldeprozess von Endgeräten, hat bereits viele innovative energieeffiziente Produkte (bspw. Siemens Desigo CC als neueste Managementplattform) entwickelt und hegt für die Zukunft noch so manche Vision. Herr Dr. Milde kam zu dem Schluss, dass BIM nicht generisch eingeführt werden kann, Siemens jedoch langfristig an BIM interessiert ist.

Im Mittelpunkt der finalen Podiumsdiskussion mit Fr. Dr. May und den Herren Broßmann, Glatte, Habib, Dipl.-Ing. Jan Hübner (OneTools GmbH & Co. KG), Dipl.-Ing. M.Sc. Architekt Alexander Mayer (Graphisoft-Center Rhein-Main), Dr. Milde, Dipl.-Wirt.-Ing. Peter Stephan Noisten (Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP), Pries, Rohr und Dr. Schrammel stand die Frage von Herrn Prof. Dr.-Ing. Ulrich Bogenstätter, „was die Hochschule hinsichtlich BIM lehren soll?“ Darauf antwortete Frau Dr. May zunächst mit einer großen Bitte. Die Hochschule solle vor allem Menschen ausbilden, die wissen zu planen. Herr Dr. Glatte begrüßte, dass BIM künftig gelehrt werden soll und stellte in dem Kontext die Frage, welche Inhalte er künftig in die Übungen packen soll. Dass die Grundlagen beim „Planen, Bauen und Betreiben“, insbesondere die der TGA, sitzen müssen, darauf wies Herr Rohr nochmals hin (an der HS Mainz wurde eine Professur für TGA bereits eingerichtet). Nach Einschätzung von Herrn Broßmann wird es ca. 1 Jahr dauern, bis jemand BIM-fähig ist. „Wir sind gerade dabei zu verstehen, was wir brauchen“, so seine Worte. Herr Dr. Milde wies darauf hin, dass viele auch nicht wissen, wie man von 2 D auf 3 D kommt. Hier sollte die Hochschule lehren. Auf Nachfrage von Herrn Prof. Dr.-Ing. Bogenstätter sagte Frau Dr. May zu, die Hochschule Mainz zu unterstützen und erarbeitete Lehrinhalte (BIM-Leitfaden, BIM-Leistungsbilder, etc.) zu Lehrzwecken zur Verfügung zu stellen. Herr Schrammel merkte an, dass es kaum eine Branche gibt, die „verrechtlicher“ ist, als die Baubranche. Neben Rechtsgrundlagen sollte bei BIM insbesondere auch die kooperative Abwicklung von Projekten gelehrt werden. Nach Auffassung von Herrn Pries sollte die Hochschule vor allem lehren, was es heißt, Datenmodelle zu erstellen, entsprechendes „Handwerkszeug“ sollte vermittelt werden. Herr Habib empfahl, verständliche BIM-Projekte zu Lehrzwecken abzuleiten. Auf die Frage von Herrn Prof. Dr.-Ing. Bogenstätter, „machen wir schon alles richtig?“, antwortete Herr Hübner, dass es viele Datentools gibt. Gebraucht werden kritische, ausgebildete Menschen, die in der Lage sind, nicht nur den Einzelfall zu kennen, sondern Datenmodelle übergeordnet bewerten zu können. Er wies darauf hin, dass es in dem Kontext auch ein Kooperationsprojekt mit der HS Mainz gibt. Dass gute Leute gebraucht werden, die in der Lage sind, mit 3 D arbeiten zu können, das erachtete auch Herr Mayer für erforderlich. Herr Noisten wies darauf hin, dass das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP zwei BIM-Referenzobjekte begleitet und wissen möchte, was bei BIM nicht passt (Förderprojekt BIMiD s.www.BIMiD.de). Ergebnisse werden in ca. einem Jahr erwartet und sollen veröffentlicht werden.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass BIM ein komplexes und detailbetontes Thema ist, dass kontrovers diskutiert wurde, aber lange noch nicht abgeschlossen ist. BIM ist weder eine Standardlösung noch ein Allheilmittel, keine Software, kein Tool und auch nicht auf ein 3-D-Modell zu reduzieren, an dem Architekten, Ingenieure und Facilities Manager in einer Cloud simultan planen. Die neue Planungsmethode unterscheidet sich gegenüber traditionellen Verfahren in der Art und Weise, wie Informationen über den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden partnerschaftlich generiert, geteilt und gemanagt werden. BIM hilft Planungsfehler aufzudecken oder sie zu vermeiden, unterstützt zudem die Kalkulation von Projekten, ersetzt aber nicht das Denken des Ingenieurs. Der Erfolg der neuen Arbeitsmethode hängt im Wesentlichen von den „Menschen“, den „Prozessen“ und den „Technologien“ ab. In Deutschland ist noch viel Aufklärungsarbeit zum Thema BIM zu leisten. Ein hoher Schulungsbedarf besteht. Architekten und Planer sollten sich gegenüber BIM nicht verschließen. Vielmehr sollten sie BIM als Chance begreifen, um ihre ganzheitliche Projektverantwortung dadurch zu stärken und die aufgezeigten Vorteile der effizienteren Arbeits-/Managementmethode vollumfänglich ausschöpfen zu können. Vermutlich werden die Erstellung und die Nutzung digitaler Bauwerksmodelle in wenigen Jahren den Bau- und Immobilienalltag bestimmen. Auf keinen Fall sollte man es riskieren, den Anschluss zu verlieren oder sich von BIM überrennen zu lassen – dies insbesondere auch im Anbetracht der fortgeschrittenen internationalen Entwicklung der Digitalisierung.

Insgesamt gesehen hat der Kongress sein Ziel erreicht. Das Thema BIM wurde ausführlich aus vielen Blickwinkeln entlang der komplexen Wertschöpfungskette Bau betrachtet - wobei die Zahl der Befürworter überwog. Nicht nur der Status Quo wurde aufgezeigt, sondern auch der dringende Handlungsbedarf. Mehrfach wurde deutlich, dass insbesondere die Hochschulen aufgefordert sind ihren Beitrag zu leisten, damit BIM in Deutschland erfolgreich wird. Die Veranstaltung war sehr gut vorbereitet, nicht zuletzt auch durch die vorab im Internet eingestellten Informationen zum Thema. Der Kongress klang aus bei Livemusik von „Blech‘n Wood“ und guten Gesprächen an der Cocktailbar. Für das leibliche Wohl der Tagungsteilnehmer war wieder bestens gesorgt. Zur anschließenden Abendveranstaltung mit Alumnifeier und Prämierung (Preis Schadensprävention) der besten Bachelor-/Masterarbeiten waren die Teilnehmer des MIT eingeladen. Im Nachgang zur Veranstaltung wurden die Vorträge, die u. a. auch als Informationsquelle für diesen Bericht dienen, zum Download auf der Homepage der Hochschule Mainz eingestellt. Sie stehen dort interessierten Kongressteilnehmern zur Nachbereitung zur Verfügung.

Der 7. Mainzer Immobilientag findet am 11.11.2016 statt. Die Planungen dazu sind bereits angelaufen.

Bärbel L. Kupfer

M.Sc. Dipl.-Ing. Architektin

Vorstandsmitglied im BDB-Landesverband Hessen, Bereich Hochschulen

Beisitzerin in der BDB-Bezirksgruppe Südhessen-Nassau

Terminübersicht 2016

Nähere Informationen zu den jeweiligen Terminen finden Sie unter dem Link "Veranstaltungen"

      • 16.09. 2016
      • Baustellenbesichtigung Autobahnbrücke A3 bei Limburg
      • Rückbau alte Autobahnbrücke, 14:30-16:30 Uhr 
      • 07.10.2016
      • Planernachträge RA Laux
      • Darmstadt
      • 14.-16. Oktober 2016
      • Herbstfahrt nach Prag
      • 04.11.2016
      • Besondere Bereiche der HBO Teil III: Brandschutz in Heppenheim, 14:00-18:00 Uhr
      • 18.11.2016
      • Jahresabschluss des Bezirksgruppenvorstand

       

       

       

       
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